Schatten

Und auf einmal ist es Herbst.

Meine Bäume haben ihre Blätter verloren und es duftet nach Herbstfeuern und Kindheitserinnerungen. Mosaikartig beleuchtetes Pflaster, die Gaslaternen senden nur ihr Sepialicht aus, das zum Nachdenken an Vergangenes zwingt. Und mit jedem gegangenen Schritt rückt die Zeit wieder näher, die Zeit als Worte auf der Zunge klebten und nicht gesprochen werden konnten. In der sie herunter geschluckt wurden und im Schlaf dann so schwer wogen, dass alle Traumfluchtwege versperrt blieben. Und dann das Verschwimmen der sichernden Grenzen, die stille Frage danach, ob das nun die wirkliche Welt ist, sein kann, sein sollte.

Was so tief erschien ist im Blick über die Schulter nur die flache und leere Leinwand. Traurig irgendwie, aber nicht mehr furchteinflößend. Ich habe mich an das gleichmäßige Weiß gewöhnt, habe es beinahezu lieben gelernt. Dieses Weiß, das die rauen Bilder im Kopf schleift, das zu einem kühlen Streicheln wird. Ich müsste geborgen sein, umhüllt, liebkost und ruhig. Doch immer wenn es Herbst wird kann ich nicht anders, es ist wie ein Zwang, ich muss auf Streifzüge gehen, wie in den Jahren davor. So nah am sicheren Ort, bin ich auf der Suche. Nach den verloren gegangenen Lichtspielen, nach den Projektionen, die mein Herz zum kurzen Stillstand zwangen, mir den Atem nahmen und meine Träume in wilde Farben tauchten, an deren Kanten ich mich blutig schnitt. Der Herbstwind zerzaust mir immer noch das Herz.

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